Fototour in Berlin, Beelitz und Potsdam

Am 26. Oktober letzten Jahres sind wir mit 7 Mitgliedern unseres Fotostammtisches früh morgens Richtung Berlin aufgebrochen – zwei Fotofreunde erwarteten uns bereits am Ziel, dem Penta-Hotel in Teltow.

 

 

Nachdem wir unsere Koffer im Hotel deponiert hatten, machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof in Teltow, von wo aus wir mit der S-Bahn in die Innenstadt Berlins fuhren. Wilfried Humann, der sich in Berlin gut auskennt und sich bereits eine Besichtigungstour überlegt hatte, führte uns zunächst in den Stadtteil Friedrichshain in die Warschauer Straße und dort zum RAW-Gelände, dem früheren Reichsbahnausbesserungswerk, das heute bereits Kultstatus hat. Auf diesem, teils abbruchreifen 70.000 Quadratmeter großen Werkshallenareal, finden eine Vielzahl von soziokulturellen Projekten Platz. Theatergruppen, Ateliers, Skatehalle, Bars, Werkstätten, ein Kletterkegel sowie etliche Kneipen – und jede Menge Geldautomaten und Fotokabinen findet man auf diesem etwas verrucht anmutenden Gelände. Und wir fanden unzählige Motive, sei es als Graffiti an der Wand oder sogar in Form von kleinen Fahrzeugen, als wir uns beim Eingang der Hotrodtour, die sich dort niedergelassen hat, wieder trafen.

 

 

Tagsüber ist es sicher ganz interessant, durch dieses RAW-Gelände zu gehen, aber wir waren uns alle einig, dass wir abends oder nachts dort lieber nicht umhergehen wollten. Sehenswert war es auf jeden Fall und die vielen Fotos, die dort gemacht wurden, sprechen für sich.

 

 

 

Nach einer kurzen Kaffeepause im ebenfalls etwas schrägen, aber gemütlichen Cafe "Wahrhaft Nahrhaft" ging es zurück über die bekannte  Oberbaumbrücke, die irgendwie an einen gotischen Kreuzgang erinnert. Die oberirdisch fahrende U-Bahn in Richtung U-Bahnhof Schlesisches Tor war dann ein weiteres spannendes Motiv. Entlang der "East Side Gallery", wo wir wieder intensiv die Gelegenheit nutzten, um die zum Teil sehr sehenswerten grafischen Arbeiten an den Mauerrelikten zu fotografieren

Danach sind wir mit der S-Bahn vom Ostbahnhof zum Hackeschen Markt.gefahren. Ziel war aber nicht die stylischen Hackeschen Höfe, sondern der daneben liegende abgerockte Hof von Haus Schwarzenberg mit seinem ganz besonderen Treppenhaus, auch ein Szenebereich, den man gesehen und fotografiert haben sollte.

Dass direkt davor ein gigantischer Bagger mitten in der Stadt und an einer belebten Straße mit dem Abriss eines großen Hauses beschäftigt war, war ein weiteres unvorhergesehenes aber auch spektakuläres Motiv für uns Fotografen. Danach drängte uns der Hunger in das Restaurant Weihenstephaner am Hackeschen Markt. In diesem urigen Lokal stärkten wir uns für die Rückfahrt mit der U-Bahn nach Teltow, wo wir dann noch im Hotel den einen oder anderen Absacker genossen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen fuhren wir dann mit den PKWs Richtung Beelitz. Mit den Organisatoren und gut 40 anderen Teilnehmern der Besichtigung trafen wir uns am Bahnhof in Beelitz, der unweit der Heilstätten gelegen ist. Man erklärte uns den Ablauf der Besichtigungstour, teilte die aus überwiegend Hobbyfotografen bestehende Teilnehmer in zwei Gruppen auf und los ging es – mit Stativ und Fotos bepackt – zunächst zu den früheren Wirtschaftsgebäuden.

Die Wirtschaftsgebäude bestehen im Wesentlichen aus der Fleischerei, Bäckerei und Wäscherei – alles Gebäude, die sowohl innen als auch außen sehr marode, ja zum Teil auch einsturzgefährdet sind. Man warnte uns auch eindringlich davor, die mit rot-weißen Bändern markierten Bereiche zu betreten. Dennoch gelang es sicher uns allen, noch sehenswerte Innen- und Außenaufnahmen zu machen. Insbesondere die Bäckerei mit ihrem Inventar oder auch die Treppenaufgänge waren beliebte Fotomotive.

Nach der Hälfte der Zeit fand der Wechsel mit der anderen Gruppe statt und wir konnten die eigentlichen Klinikgebäude besichtigen. Allerdings stärkten wir uns zunächst einmal im sogenannten Basislager, wo der dringend erforderliche heiße Kaffee oder Tee angeboten wurde und sich reichlichen Zuspruchs erfreute.

Anschließend besuchte jeder alleine oder in kleineren Gruppen ein Prunkstück des Krankenhausareals, das Sanatorium für Männer. Das größte Gebäude davon ist der Männerpavillon mit seinem sehr sehenswerten, fast sakral wirkenden Speisesaal.

"Zwischen 1898 und 1930 ließ die Landesversicherungsanstalt Berlin die Kliniken in Beelitz errichten, um die damals verheerende Volkskrankheit Tuberkulose einzudämmen. Weite Teile der Bevölkerung, vor allem die Bewohner der Arbeiterbezirke, litten unter der Schwindsucht.
Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde das Areal jeweils zum Lazarett umfunktioniert. Viele tausend verwundete Soldaten wurden hier behandelt, Ende 1916 auch der Gefreite Adolf Hitler. An der Westfront war Hitler von einem Granatsplitter getroffen worden. Mehrere Wochen kurierte er sich in Beelitz aus.
Nach Kriegsende 1945 übernahm schließlich die Rote Armee das Gelände der Heilstätten. Mehrere Jahrzehnte beherbergte Beelitz das größte Militärhospital der Sowjets außerhalb der UdSSR. Das ist auch der Hauptgrund, warum viele der Gebäude noch gut erhalten sind. Sie wurden bis zum Abzug der Sowjets im Jahr 1994 genutzt.
Die letzten Prominenten, die in Beelitz Zuflucht fanden, waren im April 1990 der gestürzte DDR-Staatschef Erich Honecker und seine Frau. Das Paar lebte in einer der Arztvillen, bewacht von Soldaten der Roten Armee.
Nach dem Abzug der Sowjets 1994 begann dann der dramatische Verfall der ehemaligen Heilstätten. Aus den Gebäuden sei „alles geklaut worden, was nicht niet- und nagelfest ist. Vor allem aber auf Bauteile aus wertvollem Buntmetall waren Diebe scharf. Sogar die Kupferdächer wurden in schwindelerregender Höhe abmontiert, um den Rohstoff zu Geld zu machen.
Durch die Löcher regnet es dadurch nun rein, was den Verfall der Heilstätten enorm beschleunigt."

Sehr interessant war auch das in unmittelbarer Nähe liegende frühere Badehaus

Dort steht heute – sehr publikumswirksam - der Flügel, der vorher im großen Saal des Whitney-Houston-Hauses stand und dort eigentlich auch eher hingehört.

Sehenswert auch der große Saal mit seinen Wandgemälden.

Irgendwann gegen 16.00 Uhr waren wir auch zum einen durch die ganzen Räume durch und zum anderen auch fotosatt und freuten uns darauf, auch mal wieder in geheizte Räume zu kommen. Nach einer Einkehr in ein Cafe in Beelitz machten wir uns dann wieder auf den Heimweg Richtung Hotel, wo wir einen großen Tisch fürs Abendessen bestellt hatten. Natürlich stand das gemeinsam Gesehene im Vordergrund der Tischgespräche und wir waren uns alle einig, dass sich dieser Ausflug nach Beelitz gelohnt hatte.
Am Sonntag stand dann noch Potsdam auf dem Programm. Nach einem Rundgang durch das holländische Viertel unternahmen wir noch eine eineinhalbstündigen Schlösserfahrt mit einem der Ausflugsschiffe

Auf dieser interessanten Rundfahrt durch die Seen Potsdams kamen wir auch an der Glienicker Brücke und den Kollonaden vorbei.
Zwischen Berlin und Potsdam überspannt diese symbolträchtige Eisen-Stahlkonstruktion die Havel.

Vierzig Jahre lang lag der östliche Teil der Glienicker Brücke im Westen und ihr westlicher im Osten Deutschlands. Eine weiße Linie markierte die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin. Bekannt wurde die "Brücke der Einheit", wie sie damals hieß, vor allem als Schauplatz spektakulärer Agentenübergaben, die auch verfilmt wurden.

Nach dieser Schiffstour stärkten wir uns noch in einer nahegelegenen netten Pizzeria mit riesigen Pizzen.

Auf der Heimfahrt mussten wir dann durch den Regen, der uns in den drei Tagen zum Glück fast vollkommen verschont hatte.

Die Beelitz-Tour war sicher der weiteste Ausflug, den wir mit der Fotogruppe bisher unternommen hatten, er war sicher aber auch der interessanteste. In diesem Jahr wollen wir das vielleicht noch toppen, denn Hamburg steht auf dem Programm und da gibt es sicher für jedes Wetter ein reichhaltiges Fotoprogramm.